Was ist Custom?

Was ist Custom?

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Thema „Custom“. Auch wenn dieser Bereich vielen fremd erscheint, so ist es doch durchaus interessant, welche Facetten und Nieschen in der Lego-Szene aufzufinden sind und Näheres über diese zu erfahren.

Was ist Custom?

Customizing (vom englischen custom-made, etwas maßanfertigen) bezeichnet in der Lego-Szene sinngemäß das Verändern oder Anpassen von Steinen und Figuren. Zugleich wird der Begriff Custom-Parts für selbstgemachte Teile verwendet, die mit originalen Lego-Teilen kompatibel sind (wie etwa Zubehör für Minifiguren, Pflanzenelemente…).

Hier wird es etwas knifflig. Es gibt inzwischen diverse Drittfirmen (darunter die meisten in Ostasien), welche Lego-kompatible Teile anbieten oder Lego-ähnliche Produkte auf den Markt bringen, jedoch in direkter Konkurrenz zur Firma Lego stehen. Da gibt es unter anderem chinesische Firmen wie POGO (die in Fankreisen oft als „Fake-Lego“ bezeichnet werden), welche qualitativ nicht mit Lego mithalten können, aber auch Firmen wie Megablocks, die sich inzwischen auch schon auf dem europäischen Markt etablieren konnten. Von solchen Firmen will sich das Lego-Customizing jedoch bewusst absetzen. Denn diese Szene hat, ob man es glaubt oder nicht, eine ähnlich starke Bindung zum originalen Lego wie Puristen. Das bedeutet, bei Custom-Figuren wird nur mit originalen Minifiguren als Basis gearbeitet und bei Custom-Teilen wird darauf geachtet, einen qualitativ ähnlichen Kunststoff wie Lego zu verwenden. Das Gesamtbild beim Bauen soll nicht gefährdet werden.


Beispielbild Custom Star Wars E11-Blaster: v.l.n.r. hergestellt von „thelittlearmsshop“, „Brickarms“, „Arealightcustoms“


Verschiedene Arten von Customizing

Wie vorhin schon angesprochen geht es beim Customizing ums Verändern originaler Lego-Teile. Hierbei gibt es viele verschiedene Arten, dies zu tun. Die banalste, jedoch nicht einfachste Methode ist das Umfärben von Bauteilen durch Bemalen, Lackieren oder Sprayen. Für Lego-Steine ist die am häufigsten angewendete Variante das Verchromen, da sich Chromteile hoher Beliebtheit erfreuen und Lego solche Teile nur sehr spärlich in der Vergangenheit produziert hat und heutzutage schon fast komplett davon weggekommen ist, da Chromschichten sehr fragil sind und der Qualitätsanspruch über einen längeren Zeitraum nicht gewährleistet werden kann. Eine andere Variante ist das Umfärben von Teilen in Farben, die es von Lego noch nicht gibt, das ist jedoch sehr selten, da ein gefärbter Teil sich fast immer von einem in einer Farbe gegossenen Teil abhebt und somit im Gesamtbild nicht schön aussieht.


Beispielbild verchromtes Teil: Links das Original von Lego, rechts das verchromte Teil von „minifigures.pl“


Weitaus häufiger findet man das Bemalen im Bezug auf Minifiguren. Was eher wie kindlicher Enthusiasmus anmutet, weil man den originalen Klontruppenhelmen dieselben Farben wie in der Serie verpassen will, wird speziell von Leuten, die aus dem Tabletop-Bereich kommen, in eine Kunstform umgewandelt. Für diese Künstler sind Lego-Figuren eine besondere Herausforderung, weil es sehr schwierig ist, auf deren winzigen, glatten Stellen detailliert zu malen. Meistens wird deshalb zuerst mit einer Grundierung angefangen. Auch Kombinationen aus Lego- und z.B. Warhammer-Teilen erfreuen sich bei solchen Bastlern hoher Beliebtheit. In Zeiten des 3D-Drucks gibt es inzwischen auch Shops, die speziell strukturierte Teile für diesen Bereich anbieten.

Beispielbild bemalte Figur: Erstellt von Kal Customs.


Mit diesem Übergang finden wir uns bei sogenannten Custom-Teilen wieder. Solche bedienen ebenfalls hauptsächlich Minifiguren, aber es gibt auch spezielle Bauteile wie vorhin erwähnte Pflanzenteile. Bei Minifiguren handelt es sich bei solchen Elementen vorrangig um Rüstungen und Waffen, da besonders bei letzteren Lego eine strikte Politik verfolgt und das Design eher realitätsfern halten möchte. Viele Fans wünschen sich jedoch einen akkuraten Blaster für ihre Han Solo Minifigur und so haben sich diverse Shops entwickelt, die solche detailgetreuen Teile aus einem Lego-ähnlichen ABS-Kunststoff herstellen. Das erste Bild in diesem Beitrag zeigt solche Waffen, die allesamt aus ABS-Kunststoff gegossen wurden. Auch Ausrüstungen fürs Militär oder mittelalterliche Rüstungen erfreuen sich großer Beliebtheit.

Manche Hersteller haben sich jedoch auch auf Haarteile spezialisiert. Ein großer Unterschied bei der Qualität der Teile kommt durch die Art der Herstellung zustande. Während bei 3D-Druck eher leicht formbares, billigeres Plastik verwendet wird, gibt es Teile, die „gemoldet“, also mit Formen gegossen, werden. Diese sind aufwendiger zu produzieren, jedoch näher an der Qualität von originalen Lego-Elementen.


Beispielbild Custom-Teile: v.l.n.r. ABS-Mold („brothersfigure“), PVC-Mold („brothersfigure“), 3D-printed Mold („Dragonbrick“)


Nun ist es denkbar, dass man eine akkurate Laserpistole für seinen Klonkrieger erworben hat, dieser jedoch immer noch nicht die passende Farbe hat. Wer vor dem Bemalen zurückschreckt, kann die Methode der Waterslide-Decals, auf deutsch Wasserschiebefolie, anwenden. Für diese Art von Customizing braucht man gewisse PC-Kentnisse, da hier zuerst auf Leervorlagen von Minifigurenkörpern in Zeichenprogrammen Designs erstellt werden müssen. Die fertigen Designs werden danach auf die spezielle Folie ausgedruckt, zurechtgeschnitten und – ähnlich einem Kaugummi-Tattoo – auf blanke Minifigurenteile aufgelegt. Damit das Ganze nicht verrutscht oder brüchig wird, wird sehr oft abschließend eine Schicht aus Klarlack aufgetragen.

Wenn ein guter Drucker verwendet wird und man fein säuberlich arbeitet, ist das Endergebnis einer offiziellen Figur nicht unähnlich. Außerdem ist diese Methode auch für einen privaten Customizer leistbar, weshalb sie sich besonders Anfang der 2000er-Jahre großer Beliebtheit erfreute. Hersteller solcher Figuren gibt es heutzutage aber kaum noch. Grund dafür liegt bei der größten Sparte von Custom-Figuren, nämlich bedruckten Figuren. Im nächsten Abschnitt werden die unterschiedlichen Druckverfahren erläutert.

Beispielbild: Waterslide-Decal Figur (Hersteller unbekannt)

Druckverfahren

Digitaldruck

Digital bedruckte Figuren sind qualitativ hochwertiger als bemalte oder mit Decals bearbeitete Minifiguren. Hier werden genau wie bei Decals Designvorlagen erstellt, welche jedoch direkt auf die Figurenteile gedruckt werden und dadurch sehr beständig sind. Der große Vorteil hierbei steckt in den Details: Mit dieser Methode kann der höchste Detailreichtum erreicht werden. Gleichzeitig ist das aber auch ein Nachteil, da einige Hersteller den feinen Grat überschreiten und durch Überfüllung mit Details die Figuren ihre Ähnlichkeit zu originalen Minifiguren verlieren. Bei diesem Druckverfahren gibt es wieder verschiedene Methoden, die zwei häufigsten sind Thermodruck oder UV-Druck und 3D-Druck. Die erste Methode kann man am simpelsten mit dem Druck eines Bildes auf ein Blatt Papier vergleichen, bei letzterem wird eine dünne Schicht auf die Figur aufgetragen. Auch wenn solche Customfiguren schon eine starke Ähnlichkeit mit originalen Minifiguren aufweisen, merkt man den Unterschied sofort, wenn man sie in der Hand hält. Natürlich spielt hier auch die Qualität der Drucker eine große Rolle.


Beispielbild Digitaldruck, bedruckt mir UV-Laserdruck, Hersteller „minifigures.com“

Beispielbild Digitaldruck: 3D-digital bedruckte Figur, Hersteller „Hobbybrick“


Pad Printing

Pad Printing, auch Tampondruck ist ein Verfahren, welches von Lego selbst zum Bedrucken von Minifiguren verwendet wird. Es ist somit die qualitativ hochwertigste Art Figuren zu bedrucken. Hierbei werden ebenfalls vorab Design-Templates am PC erstellt und diese dann in mehreren Schichten auf blanke Minifiguren gedruckt. Wie das ganze funktioniert kann man sich ganz gut auf diversen Youtube-Videos ansehen. Für Privatpersonen kommt diese Methode nicht infrage, da sowohl Drucker als auch Farben sehr kostspielig sind und diese eher in größeren Firmen verwendet werden. Außerdem gibt es starke Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Geräten, was gerade bei kleinen zu bedruckenden Flächen eine große Rolle spielt. Doch auch hier hat sich eine Customizer-Community entwickelt, bei denen Privatpersonen Designs im Internet präsentieren und über Crowdfunding vorab den Druck finanzieren, um danach qualitativ hochwertige Customfiguren zu liefern. Natürlich gibt es auch hier Qualitätsunterschiede, jedoch stehen bei hochwertigen Druckern die Figuren offiziellen Figuren in nichts nach und können diese je nach Design sogar übertreffen. Aufgrund der Kostspieligkeit solcher Figuren spricht man hier oft von Premium-Customfiguren. Je nach Aufwand und Bekanntheitsgrad des Herstellers rangieren solche Figuren meist zwischen 20 bis 70 Euro. Für Minifigurensammler sind diese Figuren jedoch trotzdem eine beliebte Option um bestehende Kollektionen um Designs zu erweitern, die Lego bis dato vernachlässigt hat. Durch den kaum vorhandenen Qualitätsunterschied stechen diese Figuren nicht zu sehr heraus. Auf den folgenden Bildern sind Vergleiche zwischen originalen Lego-Figuren und Custom-Figuren derselben Charaktere zu sehen, bei denen teilweise verschiedene Herangehensweisen an die Designs gewählt wurden. Wer findet die originale Figur ohne nachzusehen?


Beispielbild Pad Printing Superman und Superman N52 (Figur links ist Original Lego, Figur rechts ist Custom („muddyriverminifigs“))

Beispielbild Pad Printing Luke Skywalker „Der letzte Jedi“ (Figur links ist das Original von Lego, Figur rechts ist Custom („christo7108“))

Beispiel Pad Printing Dr. Strange (Figur links ist das Original von Lego, Figur rechts ist Custom („LegendCMoc“))

Wie ist es rechtlich?

Ein schwieriges Thema im Custombereich sind die rechtlichen Gegebenheiten bezüglich dem Verkauf solcher Figuren und Teile. Da gerade bedruckte Figuren meist nur in sehr geringer Stückzahl produziert werden, werden Popkultur-Charaktere, die Lizenzen unterliegen, wie bei anderen Kunstformen meist als Grauzone toleriert. Dennoch kann es vorkommen, dass etwa bei Einkäufen im Ausland beim Zoll Figuren und Teile abgefangen werden, welche eventuell als Lego-Nachahmprodukte deklariert werden bzw. nicht rechtens hergestellt wurden. Im schlimmsten Fall werden die „Nachahmerprodukte“ dann vernichtet. Deswegen sollte man sich vorab informieren, ob dem Ersteller dieser Figuren derartiges schon passiert ist.

Warnhinweis

Bei allen hier vorgestellten Figuren wurde mit originalen Legoteilen gearbeitet. In letzter Zeit häufen sich gerade auf Auktionsplattformen Angebote, die unter dem Titel „Lego Custom Figur xx“ Figuren von Nachahmerfirmen aus Asien verkaufen, wo diese um 1$-2$ pro Stück erworben werden können. Wie bei Firmen wie Lepin, die Setdesigns bei Lego abschauen, gibt es genauso hier Figuren-Designs, die von Custom-Designern abgeschaut werden. Um sicherzustellen, dass originale Figuren bedruckt wurden, kann man an diversen Stellen der Figuren nach dem eingestanzten Lego-Logo Ausschau halten. Somit kann man sicherstellen, dass die Teile getestet sind und dieselbe Qualität wie originale Minifiguren aufweisen.

2 Kommentare
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2 Kommentare

  • Patric
    22. Februar 2019, 13:21

    Danke DSP,
    Für den übersichtlichen Artikel.
    Gibt es eine Internetseite, welche einen guten überblick über "alle" Custom Anbieter hat, oder such man sich die je nach Thema welches einem interesiert selbst?
    Wie werden die Hersteller bezeichnet, welche eigene Designs auf "Dritthersteller Figuren" drucken und in China produzieren lassen, wie z.B. Koruit?
    LG Patric

    REPLY
    • DSP@Patric
      22. Februar 2019, 23:30

      Hallo Patric! Es freut mich, dass dir der Artikel gefällt.

      Zu deiner ersten Frage. Nein, die gibt es nicht. Die beste Alternative wäre die Seite https://www.herobloks.com/ , dort sind ganz viele Figuren von wirklich vielen Anbietern aufgelistet, allerdings werden hier sowohl Customs, die originale Legoteile verwenden als auch Figuren von "Fake-Lego" Herstellern vorgestellt. Es wird auch keine Figur näher beschrieben, allerdings kannst du zumindest nach Herstellern filtern. Wenn du auf der Suche nach einem bestimmten Charakter bist, kannst du diesen in der Suchleiste eingeben und findest alle Figuren, die von diesem Charakter in der letzten Zeit veröffentlicht wurden. Vielleicht schaffe ich es noch, auf unserer Seite eine Übersicht der bekanntesten Hersteller einzufügen.

      Zu deiner zweiten Frage habe ich wahrscheinlich keine zufriedenstellende Antwort. Für mich sind auch Customs auf nicht-originalen Lego-Figuren "Fake-Lego", so auch Koruit, wobei man ihnen zugute halten muss, dass keine Designs bei anderen abgeschaut werden. Eine offizielle Bezeichnung in der Custom-Community gibt es für diese nicht.

      Liebe Grüße,
      Christoph

      REPLY

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