Mighty Micros: Star-Lord vs. Nebula

Mighty Micros: Star-Lord vs. Nebula
  • Figuren (%)
  • Aufbau (%)
  • Verrücktheit (%)
  • Design (%)
  • Spielfaktor (%)
44%

Mighty Micros Madness Score

Als Geschenk für Kids oder für Comic-Freaks kann das Set taugen. Wenn's dir nur um die Kassette geht: die bekommst du einzeln günstiger.

Kampf um den Awesome-Mix! Nebula hat Star-Lord seine Lieblingmusik gestohlen. Auf heißen Rädern möchte er sie zurückerobern – ob das gelingt? Das Mighty-Micros-Set „Star-Lord vs. Nebula“ im Brickdown-Review.

Gleich vorweg: Das Set, welches ich im Folgenden vorstellen werde, hätte ich mir wohl nicht gekauft. Als augenzwinkerndes Geburtstagsgeschenk hat es jedoch durchaus Potenzial und schreit förmlich danach, näher betrachtet zu werden. Im heutigen Review erwartet euch also ein echt skurriler Bausatz aus Legos jüngerer Vergangenheit: 76090 Mighty Micros: Star-Lord vs. Nebula.


Mighty Micros: Klein, bunt und durchgeknallt

Die Mighty-Micros-Reihe ist wohl das verkorkste Ergebnis irgendeines Trips, anders kann ich mir den durchgeknallten Stil nicht erklären. Im Wesentlichen bestehen alle Sets der Serie aus zwei Miniatur-Autos, die im Idealfall dem Gefährt eines Filmhelden oder -schurken entfernt ähnlich sehen, meistens aber einfach nur bekloppt aussehen. Auf einer Cartoon-artigen Verpackung bekämpfen sich darin ein Paar aus Held und Schurke. Genauer sind es ebenfalls grausam grotesk wirkende Karikaturen ebendieser Charaktere. Grund für den Klinch ist entweder ein trivialer Gegenstand (so in diesem Set) oder einfach, weil sie Spaß daran zu haben scheinen. Dieses Schema kam mir lange verdächtig bekannt vor. Inzwischen kann ich diese vage Vertrautheit auch zuordnen: Ich sehe die „Racers“-Serie von 2002 wieder vor mir – klein, bunt und durchgeknallt. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings in der Ausstattung. War früher ein Rückziehmotor im Set enthalten, geht dieses Budget (und mehr) jetzt wohl für Lizenzfiguren drauf.

Auch eine andere Eigenschaft teilen sich die Mighty Micros irgendwie mit den frühen Racern: es liegt entweder eine besondere Element-Farbe (z.B. olivgrün oder auch gelb-orange) oder ein interessant bedrucktes Element (eine Milchpackung zum Beispiel) bei. Und ich habe Glück: Im Kampf Star-Lord gegen Nebula gibt es sogar beides! Ups. Spoiler? Kommen wir zu den harten Fakten …

Die Set-Daten in der Übersicht:

  • 76090 Mighty Micros: Star-Lord vs. Nebula
  • Teile: 86
  • UVP: 9,99€
  • Verfügbar seit: Dezember 2017
  • Preis pro Stein: 11,6 Cent

Der Inhalt: Luft und Steine

Ausgepackt: Ein bisschen größeres Zeug, ein bisschen kleineres Zeug, zwei bedruckte Elemente und ein cooler Space-Blaster. Aber was ist denn hier mit den Figuren passiert?

Dass das Set nicht zu den anspruchsvollsten Bauvergnügen meiner Karriere gehören wird, hat die Verpackung schon erahnen lassen. Dieses Bild vervollständigt dann auch der Inhalt: Zwei Beutel mit mal kleinen, mal mittelgroßen Elementen. Das Maximum an Ausdehnung im Raum ist mit den zwei 4×4 großen Rumpfteilen (dunkelgrau) sowie dazugehöriger Achsenplatte (hellgrau) erreicht. Letztere ist ganz hübsch und dürfte sich auch für das eine oder andere Fahrzeug verwenden lassen – sofern man den mickrigen Achsenabstand ignoriert. Der Tacho als Sonderelement ist in der Mighty-Micros-Reihe neben dem klassischen Lenkrad Standard. Star-Lords Blaster vermisst zwar den dazugehörigen Zwilling, aber dafür gibt es für die diebische Nebula in diesem Set eine aufgedruckte Musik-Kassette. Ein Hauch der 70er und 80er weht wie eine Brise durch den Steinehaufen und – wie Star-Lord – sind wir schnell „Hooked on a Feeling“ beim Gedanken an den Awesome Mix. Der ist in Guardians of the Galaxy auf genau dieser Kassette gespeichert.

Die Anleitung für die beiden Racer Fighter gibt es auf zwei x-fach gefalteten Blatt Papier, dazu ein Werbeposter zu den „neuen“ Black-Panther-Sets. Zur Erinnerung: Der besprochene Bausatz 76090 stammt aus der Saison 2017/2018 und ist somit nicht mehr aktuell. Dennoch kann man ihn – wohl aufgrund des hohen Trash-Faktors – noch immer im Abverkauf bei zahlreichen Händlern und Plattformen erstehen.

Die Figuren: Grinsebacken

Zunächst baue ich die beiden Grinsebacken. Nein, ich spreche nicht von den charmanten Standard-Köpfen wie sie unter anderem in Bennys Space-Team ihr Revival erfahren durften. Die Figuren im Mighty-Micro-Set haben etwas grotesk-manisches, wie man es ebenfalls aus den alten Racers-Karts kennt (Ihr merkt, worauf ich hinaus möchte?). Dazu sind die Torsi schlicht und ebenfalls sehr cartoonesk gehalten. Selbst Säuglinge sollten von den Körperaufdrucken also nicht überreizt werden, während die Gesichter sogar mir einen Schauer den Rücken hinunterjagen. Was möchte uns der Grafik-Designer damit bitte sagen?

Die Kopf-Rückseite ist nur bei Star-Lord verwendbar, Nebulas kahler Hinterkopf bleibt glänzend monochrom. Warum die Weltraum-Maske des Space-Helden ebenfalls über Mimik verfügt? Fragt nicht mich, sondern den Joker – dort gibt es das Lachgas für die Irren unter uns. Leider erübrigt sich damit auch die Frage nach einer kreativen Umfunktionierung der Figurenteile: Solange ihr nicht ein rotäugiges Weltraum-Monster erschaffen wollt, fügt sich lediglich Nebulas simpler Torso in andere Themenbereiche. Die kurzen Beine sind indes Standard-Elemente.

Besser, aber immer noch nicht gut.

Der Aufbau: kurz und knackig

Der Aufbau des Sets ist tatsächlich eine sehr kurzweilige und wenig fordernde Aufgabe. Die spannendste Technik findet sich bei der Gestaltung der Nase von Star-Lords Gefährt. Ich möchte dabei weder die Wörter Raumschiff noch Milano, also Star-Lords Raumschiff in den Mund nehmen. Obwohl dessen Form tatsächlich halbwegs getroffen wurde, sollten die Achsen links und rechts alle Vorfreude auf etwas Fliegendes in Luft auflösen.

Gnadenlose Symmetrie dürfte selbst die jüngsten unter den Baumeistern nicht allzu lange beschäftigt halten. Dennoch ist der Farb-Mix gelungen – flammendes gelb-orange oder bright light orange als Highlight-Farbe ist immer schön. Auch die immer noch recht neuen 2×2-Flügelplatten in hellgrau sind Steine von Interesse. Dazu gibt es ein Set aus modifizierten 1×1-Platten mit Zahnfortsatz. Diese sind nicht nur in schimmerndem mattsilber (flat silver) gehalten, sondern an zwei Stellen sogar im 45°-Winkel gedreht verbaut. Was auch immer das schwarze Gefährt darstellen soll, weiß dafür nur der Set-Designer.

Links einigermaßen hui, rechts pfui.

Am Ende des Bauspaßes stehen dann wie versprochen zwei mächtige Mini-Flitzer mit irren Piloten, die sich – ganz ohne Rückziehmotoren – verfolgen dürfen. Erweiterte Spielfunktionen habe ich vergeblich gesucht. Darunter fasse ich Stud-Shooter, Schnips-Raketen oder andere Action-Features. Diese verleiten Afols bestenfalls zu kreativen Bautechniken, schlimmstenfalls treiben sie ihnen aber Tränen in die Augen. Ob ihres hartnäckigen Auftretens ist natürlich letzteres meist die Regel. Apropos: Das gilt bei besagten Funktionen auch häufig für Eltern. Denn die Stud-Munition für die Stud-Shooter besteht aus dem gleichen, tückischen ABS wie alle anderen Lego-Steine auch. Doch fliegen sie als echte Geschosse weiter und sind noch unberechenbarer über die Wohnungsböden verteilt. Aua.

Fertig!

High-Speed geht anders, high weed war wohl im Spiel.

Nachdem die Reifen (zwei Sorten!) montiert sind, können die beiden mächtig mickrigen Mikros dann auch gerne drauflosrollern. Wie bereits erwähnt gibt es keine Spiel-Features abseits der Schiebemöglichkeit. Da die beiden Flitzer aber locker in Kinderhände passen, können Junior-Baumeister und Baumeisterinnen bequem auf allen geraden und vielen ungeraden Flächen auf- und abfahren. Mein Highlight war ja früher immer, die Racer eine senkrechte Wand hinabfallen zu lassen und zu sehen, wie viel vom Gefährt den Aufprall überlebt.

Hier aber ein kleiner Profi-Tipp für Sparfüchse: Die Kassette vorher in Sicherheit bringen. Sieht man sich den Markt (z.B. auf Bricklink) nämlich an, könnte man erstaunt sein: Beginnend beim günstigsten Angebot müssen bereits 0,45€ für den Stein berappt werden – reichlich viel beim durchschnittlichen Preis von eigentlich gut 0,11€/Teil. Weiß man aber um die popkulturelle Bedeutung des Elements und dass es so nur hier enthalten ist, werden Preise bis jenseits der 1,50€ auf einmal gar nicht so unrealistisch.

Reifen, Kassette, Ersatzteile: Auf dem Sekundärmarkt ist alleine die Kassette, startend bei 0,45–0,50€/Stück, für mindestens 5% des Wiederverkaufswertes verantwortlich.

Hier ist alles super!

Und nun? Ihr könntet zurecht den Eindruck haben, dass ich die Mighty Micros als Serie nicht allzu berauschend finde. Verkauft es doch einfach als überteuerte Racers, Lego! Im Ernst, die grotesken Figuren wird wohl nahezu jedes Kind jenseits des sechsten Geburtstages lieber gegen die coolen, „richtigen“ Figuren aus den Marvel-Sets tauschen wollen. Oder gegen ein Smartphone, aber das ist eine andere Geschichte. Darunter macht man aber mit den Flitzern zu einem guten Rabatt aber nichts falsch.

Der Awesome-Mix: Unikitty-geprüft und für ausreichend verrückt befunden!

Die zweite Zielgruppe lässt sich indes an meinem Beispiel erklären: Ich selbst habe das vorgestellte Set um Star-Lord und Nebula von aufmerksamen Kollegen bekommen. Diese teilen meine Vorliebe für überbudgetierte und überwiegend schlecht geschriebene Comic-Verfilmungen. Das Präsent war dementsprechend mit einem gewissen Augenzwinkern zu verstehen. Ich habe beim Auspacken herzlich gelacht, mich auf dieses Review (und die Kassette!) gefreut und gebe dem Set (dank eines Verrücktheits-Scores von 100%) nun gnädige 44% in Summe. Man muss es eben mögen.

Es ist ein bisschen wie im Lego-Movie: Awesome-Mix rein und einfach positiv eingestellt bleiben. So entdeckt man auch in der lausigsten Packung Steine den Humor, welchen man für unser Hobby mitbringen sollte: Hier ist alles super! Und weil ich so viel dazu geschrieben habe, und dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf bekomme gibt es jetzt noch einen klassichen Racer zu sehen. MIT GRINSEBACKE!

Racers #4591: Star Burst | ©2002 The Lego Group


1 comment
Moritz
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1 Kommentar

  • HawaiiToad
    18. Februar 2019, 13:34

    Das Set hat auch seinen Weg zu mir gefunden, und ja… hauptsächlich wegen der Kasette.
    Meiner Meinung nach wurde mit der Mighty Micros-Reihe Potential verschenkt.

    Die Idee war gut, 2 Figuren, Fahrzeuge, alles unter 10 Euro.
    Nur sind die Figuren leider auf niedlich getrimmt und was da bei den Kids noch funktioniert, stört den AFOL oder auch Comic-Freund dann schon wieder sehr.
    Denn die Dinger taugen nix neben den normalen Minifiguren.
    Erstmal haben alle die Kids/Zwergen Beinpaare zugeteilt bekommen.
    Die Aufdrucke auf den Torsos und Köpfensind dann aber bewußt grob-vereinfacht worden.
    Dabei wage ich mal zu behaupten ob ich einer filigranen normalen Druck auf dem Torso anbringe wie bei den richtigen Figuren oder die "Vorschule-Ausmalbuch"-Version ist der Maschine erst mal egal.
    Die Figuren dienen so also nicht zur Verstärkung der Sammlung und genau DAS hätte sie eben auch für die über 10jährigen interessant gemacht:
    Den Pool an Superhelden und -Schurken aufzustocken, die Lego nicht in den anderen Sets beigibt und wo es zu oft auf den 23. Batman, Spider-Man oder Superman hinausläuft.
    Wäre ich so an 2 normale Figuren rangekommen, dann hätte vermutlich die gesamte Reihe ihren Weg zu mir gefunden.

    mfg HT / Christian

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