Ein Projekt auf Lebenszeit – Das Interview mit Brick Twin Towers

Ein Projekt auf Lebenszeit – Das Interview mit Brick Twin Towers

Immer wieder stolpert man im Netz über Bauwerke, deren Ausmaße schier unglaublich sind. Hierbei stellt man sich stets die gleichen Fragen. Woher nimmt der die Zeit dafür? Wieviel Geld da wohl drinsteckt? Selten fragt man sich wahrscheinlich, was die Intention der Person hinter solch einem Projekt ist. Wir haben mit genau solch einer Person hierüber gesprochen!

Rob betreut genau solch ein unfassbares Herzensprojekt. Die Brick Twin Towers. Zusammen mit Freunden baut er das alte World Trade Center von New York nach, welches 2001 bei einem Terroranschlag zerstört wurde. Michael hat sich mit ihm hierüber unterhalten.

„Lass doch auch mal was bauen!“

Michael Moin, Rob! Lange nicht mehr gehört!

Rob Hey! Auf jeden Fall! Ewig lange her. Wir haben uns ja auch einmal bereits gesehen oder?

Michael Richtig! Wir hatten 2010 ein IDS-Treffen (Anm. d. Red.: Imperium der Steine, Lego-Fan-Forum) in Frankfurt am M.! Das war damals tatsächlich auch für mich mein allererstes Fan-Treffen. Wie alt war ich da…17? Ich war praktisch zum ersten Mal alleine in einem anderen Teil von Deutschland unterwegs und habe mich mit völlig fremden Personen getroffen und dabei dich, Chris (Nickname Magina) und René (Nickname Count Dooku) kennengelernt.

Rob Wie die Zeit vergeht ey… Jetzt machste mich gerade verlegen.

Michael Das war ja damals ohnehin noch eine völlig andere Zeit mit dieser Forenkultur, welche ja inzwischen durch Social Media mehr oder weniger abgelöst wurde. Gerade du und Chris, euch zeichnete ja eine Besonderheit aus: Ihr habt euch auf Imperium der Steine einen Account geteilt! Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Wart ihr vorher bereits beste Freunde oder habt ihr euch erst über Lego kennengelernt und wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch einen Account zu teilen?

Rob Also der Chris und ich, wir haben uns bereits in der Schule kennengelernt, gar nicht über Lego. Das ist eine ganz kuriose Geschichte, denn anfangs konnten wir uns überhaupt nicht leiden. Für mich war der immer ein Nerd. Damals war ja der große Trend Yu-Gi-Oh!-Karten.

Michael Oh Gott! (lacht)

Rob Christian hatte einen ganzen Ordner voll mit Karten und der erste Satz, den ich je zu ihm gesagt habe war „Auf deinem Deck sind viel zu viele Karten, damit kannst du nicht spielen!“ Also haben wir in der Schule öfters Karten gespielt und uns dann einmal bei mir zu Hause verabredet. Und als wir bei mir sind guckt er mein Sideboard an und sagt „Ey das gleiche Sideboard hab ich auch! Bei mir ist da aber mein Lego drin.“ Und ich darauf so „Ja, bei mir auch!“ (lacht)

Also haben wir uns dann auch mal bei ihm verabredet und dann gesagt „Lass doch auch mal was bauen!“ Also haben wir uns zusammen vor den PC gesetzt und uns zuerst bei 1000Steine.de angemeldet. Unser Account hieß dort bereits Magina. Zu Beginn haben unsere Themen noch gewechselt. Wir haben diverse Städte gebaut und irgendwann dann gesagt, lass doch mal was mit Star Wars machen. Und beim Thema Star Wars war ich dann immer der Imperiale, der Fan der Sturmtruppen, und Chris eher der Rebell.

Also haben wir uns das so geteilt und damit bei Imperium der Steine angemeldet und vereinbart, dass wir einfach einen Account machen. Beide haben den selben Namen, jeder kennt das Passwort und fertig. Vorgestellt haben wir uns dann eben als Magina-Imp und Magina-Reb. Wir hatten irgendwann unfassbar große Armeen und dann besitzt du so den zehnten TIE-Fighter und siehst, dass das Design schon wieder geändert wird… was für ein Quatsch! Also immer wieder alles Alte verkauft und neu eingekauft, damit man up-to-date war.

Aber meine größere Leidenschaft war eigentlich schon immer Lego City. Und irgendwann hat mich dann doch meine Liebe zu New York City und zu den Zwillingstürmen gepackt. Wir hatten zu dem Zeitpunkt gerade jeweils mit unserer Ausbildung angefangen und hatten das erste Mal mehr Geld. Und was macht man dann damit? Nein, nicht Party machen, sondern man kauft Lego. (lacht) Chris mochte moderne Wolkenkratzer eher nicht so, also hat er sich vorgenommen, das Empire State Building zu bauen und ich habe mich dem World Trade Center gewidmet.

Michael Stimmt! Ich erinnere mich daran, damals auf IDS auch das Empire State Building gesehen zu haben!

Rob Und das steht heute sogar noch! Wer sich das ansehen möchte, das Empire State Building ist auf der Gartenschau in Kaiserslautern ausgestellt. Im Anschluss ist Chris allerdings zur Bundeswehr gegangen und auch ich hatte während meiner Ausbildung weniger Zeit und das ganze Thema ist ein wenig eingeschlafen. Bis dahin war es aber auf jeden Fall eine echt coole Zeit.

„Hast du eigentlich Freunde, die nichts mit Lego zu tun haben?“

Michael Ich selbst bin seit 2009 in der Community aktiv, aber seit ein paar Jahren geht die Aktivität in deutschen Foren spürbar zurück. Vieles verlagert sich auf Social-Media-Plattformen. Würdest du sagen, dass du diese interne Community in Foren vermisst?

Rob Ja. Sehr sogar. Denn für mich gibt es drei Generationen von Lego-Afols. Die erste Generation sind die Personen, welche bereits vor der Verbreitung des Internets im Hobby aktiv waren und die Foren auch mit gegründet haben. Als alles klein angefangen hat. Die zweite Generation sind Personen in unserem Alter, die sich dann in diesen Foren kennengelernt und später auch getroffen haben. Aber auch das war vergleichsweise noch eine kleine Menge. Und dann gibt es die dritte Generation, in welcher quasi jeder seinen Social-Media-Zugang auf dem Handy in der Arschtasche stecken hat. Und dadurch ist es plötzlich eine riesige Masse von Leuten geworden.

Damals kannte man sich einfach noch besser und wusste, welche Personen hinter den Accounts stecken. Wenn man jetzt etwas auf Facebook postet, dann antworten immer wieder neue Leute darauf. Ich finde Foren einfach viel familiärer. Mich ärgert es auch, dass ich dort nicht mehr so aktiv bin. Aber ältere Afols, Personen über 30, die bewegen sich auch weiterhin viel mehr in Foren als auf Social Media.

Michael Ich finde auch, dass im Social Media die gegenseitige Interaktion deutlich verloren geht. In Foren hatte man seine Kontakte, die man kannte und mochte – oder auch nicht mochte – und hat auf die eigenen Werke fachliches und konstruktives Feedback erhalten. Im Social Media fehlt diese Interaktion, obwohl es eigentlich anders gedacht ist, doch stark. Jeder präsentiert nur sich selbst, aber es entsteht nicht wirklich eine Gemeinschaft.

Rob Deshalb denke ich auch, dass es Foren gerade im Bereich Lego noch einige Jahre geben wird. Die werden nicht aussterben.

Michael Ich muss auch sagen, dass ich einige meiner besten Freunde heute über Lego kennengelernt habe.

Rob Jetzt wo du es sagst, kürzlich hat mich jemand gefragt: „Hast du eigentlich Freunde, die nichts mit Lego zu tun haben?“ Und da musste ich nachdenken. Und bin zum Ergebnis gekommen. Nein, fast keine.

„Unsere Perfektion ist der Anderen Normalität.“

Michael Wie sah dein Weg in den Jahren darauf, sagen wir ab 2015, aus? Baust du immer noch mit Chris? Ich habe gesehen, dass du inzwischen auch mit einem neuen Partner an den Türmen baust.

Rob Aufgrund seiner Ausbildung habe ich mit Chris in den letzten vier Jahren leider recht wenig mit Lego gemacht. Aber wir kaufen immer noch zusammen. Ich kaufe einmal im Jahr komplett alles, was von Lego City neu rauskommt – und Chris alles, was im Bereich Marvel rauskommt. Und alles was wir uns kaufen gehört uns beiden zusammen. Denn ich habe zum Beispiel kein Lager, aber Chris hat bei sich ein Lager. Ich habe kein gutes Teileverständnis, Chris kann das besser. Also sage ich ihm, was ich brauche und er besorgt das. Wir bezahlen inzwischen drei Garagen zusammen (Anm. d. Red.: WTF!). Reine Lagerfläche!

Mein anderer Partner, Thomas, ist inzwischen auch einer meiner besten Freunde geworden. Kennengelernt habe ich ihn über Arbeitskontakte von Chris und als wir dann mal bei ihm waren, zeigt er uns plötzlich eine ganze Garage voll mit Lego, richtig altes Zeug aus den 80ern und so! Wir haben dann natürlich bis vier Uhr morgens über Lego geschwätzt.

2015 war ich dann in New York und als ich im World Trade Center Memorial stand habe ich mir gesagt: „Jetzt fängst du wieder an damit!

Ich habe also Thomas gefragt „Ey du hast doch diese unglaublich große Garage. Geht das klar für dich, wenn ich dort mein Material reinpacke und an den Türmen baue?“ Thomas fand die Idee super und wollte im Gegenzug natürlich auch ein wenig daran mitbauen. Mittlerweile ist es sogar so, dass er mehr daran baut als ich. Und sollten wir uns mal streiten haben wir vereinbart, dass er das WTC 7 bekommt und ich die Zwillingstürme. Zusätzlich haben wir noch Andreas an Bord, der gestaltet die ganze Baustelle drumherum. Und das macht das Leben des Mocs aus. Ausstellungsbesucher sehen die Türme schon von weitem, aber bleiben dann lange noch stehen und sehen sich unten die Baustelle an.

Foto: Andreas Chichowski

Als erstes waren wir mit den Türmen auf der Lego Fanwelt 2016. Und da ist uns aufgefallen, dass man ja blöderweise durchsehen kann. Also haben wir nachträglich Glasscheiben eingebaut. Und zugleich mussten die Türme natürlich immer höher und breiter werden. Aktuell antizipieren wir, dass die Dachfläche ohne Antenne bei über 4 m liegen soll.

Ich stand zu Beginn auch mit Markus (Nickname Rolli) im Kontakt, denn von ihm ist tatsächlich der Entwurf für den Übergang der Fassade vom Lobbybereich zu den oberen Etagen. Ich habe einfach kein gutes Teileverständnis, aber Markus kann das unglaublich gut. In zehn Minuten hat er mir das Urdesign dieser Dreizacksäule hingezaubert!

Foto: Andreas Chichowski

Michael Wie genau haltet ihr euch bei solchen Details an das Original?

Rob So genau wie möglich! Und das ist nicht einfach. Denn durch den Umstand, dass es die Gebäude nicht mehr gibt, habe ich nur Fotos und alte Videos, ein paar Pläne. Die rote Dachbeleuchtung, die Warnblinkanlage für Flugzeuge, habe ich zusammen mit Dave (Nickname spacepilot3000) konzipiert.

Wir haben bestimmt ein halbes Jahr an dieser Beleuchtung geplant und recherchiert, denn wir fanden kein Material dazu. Ich habe letztlich sogar Kontakt zur Port Authority hergestellt, welche die alten als auch die neuen Türme verwaltet. Und der Planer, welcher damals für diverse Warnblinkanlagen auf Gebäuden in New York verantwortlich war, hat mir eine schematische Zeichnung geschickt, in welchen Intervallen das Dach geblinkt hat. Und danach haben wir es dann programmiert.

Das kuriose war: Als wir dann endlich fertig waren und die Beleuchtung eingebaut hatten stolperte ich auf Facebook über ein Video, auf welchem man wunderbar sieht, wie diese Leuchtfrequenz ausgesehen hat. Dave hat dazu einen schönen Satz gesagt: „Unsere Perfektion ist der Anderen Normalität.“ Die Besucher wird es niemals interessieren, wie lange wir an dieser Beleuchtung gearbeitet haben und wie diese Blinkfrequenz programmiert ist. Aber für mich ist dieses Detail, wie das Dach blinkt, genauso wichtig wie die Fassade im Lobbybereich.

Foto: Andreas Chichowski

Michael Ich finde das sehr schön, dass ihr euch für die Details so viel Zeit lasst. Denn gerade die Authenzität der Details ist oft das, was ein richtig gutes Moc ausmacht. Das WTC 7 habt ihr also inzwischen auch schon gebaut?

Rob Wir haben damit angefangen, es ist aber noch nicht die Priorität. Wir sind vor allem noch mit der Plaza selbst beschäftigt. Das Projekt hat aktuell einen 10-Jahres-Plan. Es soll noch deutlich umfangreicher als nur die Zwillingstürme werden. Wahrscheinlich baue ich bis zum Ende meines Lebens daran.

Michael Das bedeutet ihr baut die komplette Umgebung bis zur Waterfront?

Rob Geplant ist auf jeden Fall das World Financial Center nebenan. Wir haben bereits die ersten Steine dafür bestellt und Bautechniken ausprobiert. Der nächste Schritt sind dann die beiden Kirchen nebenan, der Deutsche Bank Tower, das Millenium Hilton Hotel – und Thomas hat bereits vorgreifend ein Auge auf die Brooklyn Bridge geworfen. Wir sind auf jeden Fall noch ein paar Jährchen damit beschäftigt.

Michael Wie viele Steine sind bisher bereits in euer Projekt geflossen?

Rob Unfassbar viele. Diese zwei grauen Klötze, das ist reine Fleisarbeit. Wie damals 5 AT-AT auf einmal zusammenzubauen. Bei der letzten Ausstellung in Stuttgart hab ich mir beim Aufbauen eine Sehnenscheidenentzündung geholt – an beiden Händen. In die neuen Türme werden jetzt 16.000 Fenster eingebaut – jedes bestehend aus drei 1×2-Bricks in trans-clear. Insgesamt werden es nun je Turm ca. 110.000 Steine sein. Und damit meine ich nur die sichtbare Fassade, ohne Technic-Gerüst. Lego hat sich kürzlich allerdings einen Fauxpas geleistet, welcher fast dazu geführt hätte, das ganze Projekt wieder auf Eis zu legen.

Michael Was ist passiert?

Rob Die haben die Trans-Clear-Steine geändert! Ich hab die neuen Steine bei Lego direkt gekauft und beim Auspacken sagt Thomas schon: „Die sehen komisch aus.“ Also geh ich ins Lager, wo schon 20.000 Stück lagen, und merke, dass die neuen nicht mehr durchsichtig sondern leicht milchig sind. Kann doch nicht wahr sein! Aber wir hatten keine Wahl und mischen die alten und neuen Steine nun – in der Hoffnung, dass es nicht auffällt und vielleicht sogar einen realistischeren Eindruck macht.

Michael Sind eure Gebäude mit dieser unfassbaren Steinezahl auch im Minifigurenmaßstab?

Rob Nein, leider nicht. Im Minifigurenmaßstab würde ich sie umsetzen, wenn ich am Freitag den Lotto-Jackpot knacke. Vor dem letzten Umbau waren die Türme im Maßstab 1:100, jetzt werden sie 1:90, aber Minifigurenmaßstab wäre 1:45. Da wären die einfach mal über zehn Meter hoch. Würde mit Lego funktionieren, kein Thema! Selbst ohne die Steine zu kleben.

Aber wo will man das noch ausstellen? Wir kommen ja aktuell schon mit der Gesamthöhe von ca. 6 Meter inkl. Antenne an die Grenzen mancher Ausstellungsräume. Störts dich wenn ich ab und zu mal ne Erdnuss esse?

Michael Kein Problem. Kommt dann so auch schriftlich ins Interview rein.

Rob Ah ok. (lacht)

Michael Wo könnt ihr solch ein Modell überhaupt noch ausstellen?

Rob Die nächsten Ausstellungen sind in Skaerbaek, danach in Stuttgart und 2020 in Hildesheim. Die Leute wollen die Zwillingstürme immer gerne für ihre Ausstellung haben, aber bei der benötigten Deckenhöhe von 7 Meter wird es dann oft schwierig. Wenn du diese Türme bauen willst, dann musst du sie wie das Original bauen. So richtig in die Landschaft gestanzt. Denn Menschen sind in der Regel größer als die Ausstellungsstücke. Aber bei der Fanwelt in Köln hat man dann gesehen: Überall Menschen, dazwischen Lego-Modelle und mittendrin zwei riesige, lila angeleuchtete Türme, alles andere überragend und wie reingestanzt. Und damit hatten wir das Ziel erreicht.

„New York begins at the World Trade Center.“

Michael Ich habe kürzlich auf eurer Facebook-Seite ein Bild gesehen, auf welchem man sieht, dass du als kleiner Knirps noch vor 9/11 in New York warst. Auf dem Bild sieht man, wie du am Wasser stehst und die Türme in der Entfernung ansiehst. Hat diese Reise bereits als Kind einen Anreiz gegeben, dass du diese Türme so magst und so fixiert darauf bist?

Rob Das ist auf der Insel der Freiheitsstatue! Und ja, zu 100%.

Kurze Anekdote zu dem Bild: Ich war 2015 mit meiner Freundin an genau der selben Stelle. Sie hat ein Foto von mir gemacht, unbewusst dessen, dass es ein Foto genau dort von mir bereits gibt. Das ist mir dann erst aufgefallen, als ich danach die alten Fotos durchgesehen habe.

Jetzt zu deiner Frage: Seitdem ich denken kann bin ich von Hochhäusern fasziniert. Aber spezifisch nur die Hochhäuser in New York – oder Chicago. Weil viele sagen ja auch, man solle nach Dubai oder so fahren, weil dort solch unfassbare Wolkenkratzer stehen. Aber die Gebäude dort, das sind für mich… Kunstwerke. New York ist die letzten 200 Jahre gewachsen. Und das siehst du dieser Stadt an. Dubai ist die letzten 20 Jahre gewachsen und das siehst du dieser Stadt eben auch an. In Chicago sind die Wolkenkratzer „erfunden worden“.

Das erste mal gesehen habe ich New York in einem Buch meiner Mutter. Ich war damals sofort vom Empire State Building fasziniert. Kurz darauf sind wir dann tatsächlich dorthin geflogen. Ich war unfassbar aufgeregt, hatte andauernd Schmerzen vor Aufregung. Und als wir dann nachts mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel gefahren sind, konnte man bereits die Skyline blinken sehen.

Am ersten Tag sind wir gleich aufs Empire State Building hoch. Ach ja, schön hier und so. Am nächsten Tag sind wir dann abends zum World Trade Center gefahren, um New York bei Nacht zu erleben. Da gab es bereits damals schon strenge Sicherheitskontrollen. Und ich wusste bereits als Kind: Das machen die wegen dem Bombenanschlag von 1993.

Ich erinnere mich noch daran, wie uns ein Mann zuerst gesagt hat, dass wir im falschen Turm sind und sich die Aussichtsplattform im anderen Turm befindet. Oder wie ich von einem asiatischen Mann vor Zugang auf die Aussichtsplattform einen Stempel bekommen habe. Die Gesichter habe ich noch genau vor Augen und weiß zum Beispiel nicht, ob sie 9/11 überlebt haben.

Als wir dann wieder zuhause waren, war ich derart fasziniert von den Zwillingstürmen, dieser schier unfassbaren Größe. Kaum zuhause hab ich direkt mein Empire State Building zerlegt und das WTC daraus gebaut.

Und dann kam der 11. September. Ich weiß noch, wir hatten Kunstunterricht und wir sollten aus Zeitungsschnipseln, Kleber und Farbe die Silhouette einer mittelalterlichen Stadt basteln. Aber da ich in New York war durfte ich New York zusammenkleben. Nachdem ich zuhause war hab ich ein wenig SimCity gespielt. Und was hab ich gebaut? Natürlich New York.

Plötzlich hat meine Mutter angerufen: „Robbie, deine Türme brennen.“ Ich mach also den Fernseher an und der lief dann bis Abends durch. Als der erste Turm eingestürzt ist dachte ich noch im kindlichen Leichtsinn: „Jetzt muss ich von meinem Lego-Modell ja auch einen Turm wegmachen, ist ja nur noch einer da.“ Aber später hab ich dann die Szene gesehen, wie das zweite Flugzeug eingeschlagen ist. Ich habe dort ja niemanden verloren, den ich kannte. Aber für mich war das, als wäre ein Freund gestorben. Seit 2002 sehe ich mir jedes Jahr die komplette Trauerfeier an und seit ich arbeite nehme ich mir an dem Tag immer dafür frei.

Michael Ich war 2013 ebenfalls in New York und bereits damals von der neu geschaffenen Erinnerungsstätte tief beeindruckt. Die riesigen Wasserbecken, welche den Footprint der alten Türme nachbilden. Die in die Brüstung eingravierten Namen…

Rob Ja ich finde das wirklich überwältigend. In dem seit 2015 geöffneten Museum unter den Becken herrscht solch eine beklemmende Atmosphäre, manche Bereiche dort sind nur für Erwachsene zugänglich. Die ganze Stadt ist so laut und hektisch, aber dort, da ist plötzlich absolute Stille. Ich habe außerdem bei meinem letzten Aufenthalt in New York einen Vortrag gehalten. Ich war so aufgeregt, das kannst du dir nicht vorstellen.

Michael Und du hast dort dein Projekt der Brick Twin Towers vorgestellt?

Rob Genau! Der Kontakt kam darüber, dass ich vom World Trade Center Memorial eine Fahne bestellt habe. Die wird an einem Tag deiner Wahl dort gehisst und anschließend zu dir geschickt. Die ist seitdem auch bei jeder Ausstellung dabei. Ich hatte als Datum natürlich den 11. September angegeben und daraufhin die Rückmeldung bekommen, dass dies nicht möglich ist, da es sich um einen Gedenktag handelt. Ich habe also von meinem Projekt erzählt und die Ansprechpartner dort waren davon so begeistert, dass sie meinem Wunsch zugestimmt haben und die Fahne am 11. September auf Halbmast gehisst haben.

Michael Verrückt! Wann geht deine nächste Reise nach New York?

Rob Ich habe meiner Freundin versprochen, dass wir dieses Jahr die Westküste erkunden. Aber ich habe vorher noch ein Treffen mit dem Structural Engineer, also dem Tragwerksplaner, der Zwillingstürme in New York vereinbaren können. Der Mann ist 92. Und mit dem möchte ich mich gerne noch treffen. Ich hab ihm zusätzlich vorab Steine für eine Unterschrift geschickt, welche wir dann in den Türmen verbauen werden – und als Dankeschön haben wir ihm eine Dreizacksäule der Fassade aus Lego beigelegt.

Michael Richtig cool! Sagt deine Freundin auch, sie möchte mal was anderes als New York sehen oder geht das noch klar?

Rob Ich bin ein einfach gestrickter Mensch. Für mich gibt es Lego, das World Trade Center und Apple. (lacht) Das sind meine drei Dinge. Das Thema World Trade Center kann sie schon oft nicht mehr hören. Aber sie akzeptiert das trotzdem und macht das auch mit.

Viele denken ja immer, ich hätte das World Trade Center wegen 9/11 gebaut. Aber das ist nicht so, das sage ich immer wieder. Ich hätte sie auch gebaut, wenn sie heute noch stehen würden. Mein Lieblingszitat ist auf einem originalen Stück Stahl der Türme eingestanzt, welches ich erworben habe: „New York begins at the World Trade Center.“

Foto: Andreas Chichowski

Wenn euch das Projekt genauso beeindruckt wie mich, empfehle ich euch, Brick Twin Towers auf Facebook und Instagram in seinem weiteren Werdegang zu verfolgen. Dort erhaltet ihr noch mehr Eindrücke, Updates und Informationen zu den nächsten Möglichkeiten, die Türme live zu erleben.

Die harten Fakten:

  • Aktuelle Steinezahl: ca. 220.000 (ohne Umgebung)
  • Bauzeit seit Projektbeginn: Über 10 Jahre
  • Aktuelle Höhe Gebäude: Über 4 Meter
  • Aktuelle Höhe mit Antenne: Über 6 Meter
  • Beteiligte: Rob Gubbe, Chris Kissel, Thomas Kratz, Andreas Chichowski
  • Maßstab: 1:90
  • Fertigstellung: Ungewiss

Nächste Ausstellungen:

  • Skaerbaek, Dänemark, 28.09.2019 – 29.09.2019
  • Schwabenstein, Stuttgart, 21.11.2019 – 24.11.2019
  • Steinwelten, Hildesheim, März 2020
2 Kommentare
Michael
ADMINISTRATOR
PROFIL

Hinterlasse einen Kommentar

* Pflichtfeld. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlich.

2 Kommentare

  • Florian
    8. Juni 2019, 10:08

    Ältere Afols… ab 30?
    Du kommst auf der Comic Stein an den Kindertisch!

    REPLY
    • Rob@Florian
      8. Juni 2019, 12:15

      Aber nur wenn du auch mit an den Tisch kommt flo 😉

      REPLY

Posts Carousel

Top Artikel

Neueste Artikel

Top Autoren

Meistkommentiert